Lamborghini Countach


1973-91

 

Lamborghini Countach 1973-91 Italien
markenzeichen   Flagge

Lamborghini Countach

Der Miura von Marcello Gandini war 1965 eine Sensation gewesen, doch wie sollte man ein solches Auto adquat ersetzen? Eine fast unmgliche Aufgabe... Heute wrde ein Hersteller wahrscheinlich eine technisch modernisierte Variante des zu ersetzenden Autos vorstellen, dessen Grundform aber blo nicht zu weit vom Original entfernt sein sollte. Nicht so Lamborghini anno 1971 auf dem Genfer Salon. Dort stand ein Auto wie von einem anderen Stern: Flach, breit, mit spitz zulaufender Front und in einem provozierenden Gelb gehalten. Die Tren schwangen nach oben auf ("Scherentren"), die Seitenlinie war weich und geschwungen, doch alles andere eckig oder sogar trapezfrmig. Der Motor sa im Heck, jedoch vor der Hinterachse, also wieder ein Mittelmotor. Allerdings im Gegensatz zum Miura nunmehr lngs statt quer eingebaut. Ein riesiges Insekt und eine Studie, die so weit in die Zukunft zu weisen schien, dass man sich doch wohl kaum zu einer Serienfertigung verleiten lassen wrde. Oder doch? Ferruccio Lamborghini hatte genau so ein Auto haben wollen. Immerhin sollte es den sensationellen Miura ersetzen und den Ruf Lamborghinis festigen, die extremsten Sportwagen der Welt zu bauen.

Die Form stammte erneut von Bertones Chefdesigner Marcello Gandini, der schon den Miura und den Espada geformt hatte. Dieser gab spter zu Protokoll, dass der Countach nicht spontan am Reissbrett entstanden sei. Zunchst war da bereits 1968 die Bertone-Studie Carabo gewesen, deren Grundform bereits ein bisschen nach dem spteren Countach ausgesehen hatte. Die flache Front und die sensationellen Scherentren hatte auch der Carabo schon gehabt und Gandini entdeckte diese auch beim Lola T70, ebenfalls eine Designikone. Die nach oben ffnenden Tren wurden spter sogar so etwas wie das Markenzeichen der jeweiligen Lamborghini-Spitzenmodelle. Der Motor war ein weiter entwickeltes Miura-Aggregat mit nunmehr fnf Litern Hubraum, verteilt auf zwlf Zylinder, und weit in den Innenraum reichendem Getriebe vor dem Motor. 440 PS soll die Maschine entwickelt haben, doch bereits bei einer der ersten Testfahrten ging Testfahrer Bob Wallace der Motor in Rauch auf. Es gab beim gelben Countach-Prototyp einfach nicht genug Khlluft im engen Heck. Im Innenraum hatte man ebenfalls die Zukunft abgebildet. Der Prototyp besa digitale Anzeigen und einen kleinen Monitor zur Fehlerdiagnose links neben dem Lenkrad. Motorgre und Anordnung waren auch Namensgeber fr den Prototyp: Lamborghini Countach LP 500 lautete der vollstndige Name. 'LP' stand dabei fr 'Longitudinale Posteriore', zu Deutsch: 'lngs hinten". Die Typenbezeichnung 'Countach' (gesprochen: "Kuuntatsch", nicht etwa "Kaunttsch"!) ist ein piemontesischer Ausdruck, der Begeisterung ausdrckt, aber auch ein wenig obszn ist. Die deutsche bersetzung wrde wohl am ehesten "geil" lauten, was 1971 wohl auch die Meinung der meisten Bewunderer des Prototyps gewesen sein drfte.

Und Lamborghini meinte es ernst mit einer Serienfertigung. Der neue Motor musste wegen der engen Verhltnisse im Motorraum und der thermischen Probleme schnell dem Standard-Lamborghini-Aggregat aus dem Miura weichen. Gro dimensionierte aufgesetzte Khlluftffnungen hinter den kleinen, nunmehr funktionslosen hinteren Seitenscheiben sorgten fr ausreichend Luft, was den aggressiven Eindruck aber eher noch verstrkte. In dieser Konfiguration wurde der Prototyp dann ausgiebig getestet, bevor er im April 1973 einem Crashtest auf dem Gelnde des britischen Forschungsverband der Automobilindustrie (MIRA) geopfert wurde. Ferruccio Lamborghini hatte gehofft, den Countach schon 1972 in Serie bauen zu knnen, doch Streiks und Geldnot verhinderten eine rasche Entwicklung hin zum Serienmodell. Erst 1973 wurden schlielich zwei Vorserien-Exemplare des spteren Countach LP 400 gebaut. Diese besaen nunmehr ein kleines Kurbelfenster in den fr ein vollstndiges Herunterkurbeln zu schrg stehenden Seitenscheiben, ein normales Cockpit mit sieben Rundamaturen und quadratische Absteppungen in Tren und Sitzschalen. Das erste Exemplar war rot, das zweite grn. Leider wurde der gelbe Prototyp verschrottet und der rote ist verschollen, aber zumindest das grne Vorserien-Exemplar ist im Werk erhalten geblieben und wird heutzutage als "Countach No.1" gelegentlich auf Messen und Ausstellugen gezeigt.

Lamborghini Countach LP 400 '1974-78"

In der ab 1974 anlaufenden Serienfertigung verschwand dann schlielich die Karosteppung der Sitze und Tr-Innenverkleidungen, die Schaltkulisse wurde spter offen ausgefhrt und die Seitenscheiben waren schlielich zweigeteilt, wobei immerhin der untere Teil komplett heruntergekurbelt werden konnte. Elektrische Fensterheber hierfr gab es aber nicht. Der Countach LP 400 hatte berdies noch einen - allerdings funktionslosen - Periskop-Rckspiegel. Der Zuspruch der potentiellen Kunden war wegen der gerade aufgekommenen lkrise allerdings zunchst verhalten. An den Fahrleistungen lag dies wohl nicht. Die angegebenen 300 km/h erreichte der Countach LP 400 zwar nicht, aber es wurden in Fahrberichten echte 288 km/h gemessen. Die Konkurrenz - wenn man das denn so nennen darf - von Ferrari (Ferrari 365 GTB/4 Daytona) und Maserati (Maserati Ghibli SS) erreichten "nur" 274 km/h. Bemngelt wurden aber die enorme Gerusch- und Wrmeentwicklung, die Verarbeitung, die wohl positiv am ehesten noch mit "italienisch lssig" umschrieben werden konnte, sowie die verhltnismig schmalen Reifen, die hhere Kurvengeschwindigkeiten verhinderten. Einer der prominenten Kufer des Countach war der kanadische lmillionr und Formel 1-Teambesitzer Walter Wolf, der sich eine ganz spezielle Version des Countach bauen lie. Bei diesem waren unter gewaltigen Kotflgelverbreiterungen deutlich breitere Rder montiert. Auf der Hinterachse waren sogar die neuen, endlich in greren Stckzahlen lieferbaren Pirelli P7 im Format 345/35 VR15 aufgezogen! Zudem lie sich Wolf den Motor vergrern und ein riesiger Heckflgel wurde auf dem Kofferraum montiert. Aus diesem "Wolf-Countach" wurde spter die nchste Evolutionsstufe des Countach, der Countach LP 400 S entwickelt.

Lamborghini Countach LP 400 S / LP 500 S / LP 500 S Quattrovalvole '1978-88

Der 1978 erstmalig gezeigte Countach LP 400 S prsentierte sich denn auch wie ein Nachbau des Wolf-Modells. Nur der getunte und vergrerte Motor blieb diesem zunchst vorenthalten. Der Heckflgel hingegen war ab 1981 lieferbar, reduzierte aber die Hchstgeschwindigkeit um ca. 15 km/h. Welche Schmach: Der Motor hatte wegen neuer Abgasgesetze leicht an Leistung verloren (jetzt nur noch angegebene 353 PS), das Gewicht nahm bestndig zu und der Heckflgel knabberte zustzlich an der Hchstgeschwindigkeit. So ausgerstet war der Countach LP 400 S nur noch marginal schneller als ein Porsche Turbo ... 1982 wirkte Lamborghini dem aber entschieden entgegen. Da die Entwicklung einer Benzineinspritzung in fr Lamborghini wirtschaftlich uerst schwierigen Zeiten als zu kostspielig angesehen wurde, vergrerte Chefingenieur Alfieri einfach den Hubraum auf nunmehr 4754 ccm. Die am Heck abzulesene Typenbezeichnung wechselte so zu '5000 S'. Immerhin: Neben einem verbesserten Durchzug stieg auch die Top-Geschwindigkeit ohne Heckflgel wieder auf ca. 290 km/h an. uerlich wurde aber alles beim Alten gelassen, schlielich spielte erst der Ferrari Testarossa von 1984 optisch in der gleichen Liga wie der Countach, dreizehn Jahre nach dessen Debt! Doch mehr geht immer, zumal der Ferrari Testarossa mit 290 km/h Hchstgeschwindigkeit auch beim wichtigsten Kriterium im Kampf um die Kufergunst mithalten konnte. 1986 hielt Lamborghini mit einer weiteren Motoraufbohrung dagegen. Alfieri hatte das Zwlfzylinder-Aggregt auf 5,2 Liter Hubraum gebracht und verdoppelte die Anzahl der Ventile auf vier pro Zylinder. Im Italienischen klingt diese technische Manahme so klangvoll, dass sie sogar Eingang in die Typenbezeichnung fand: Der Countach LP 500 S Quattrovalvole war geschaffen worden. uerlich problemlos an einer deutlich erhhten Motorhaube erkennbar, was die kleine Heckscheibe endgltig zu einer bloen Zierde werden lie. Motorisch war aber durch die Manahme alles bestens: Mit 455 PS bei 7000 U/min wurde der Testarossa wieder deutlich in die Schranken gewiesen. Der Zuspruch der Kunden nahm ebenfalls zu. Von 1985-88 wurden von dieser Version des Countach immerhin 632 Stck gefertigt, vom Countach LP 500 S waren nur 321 Exemplare an den Mann gebracht worden. Die letzten 40 gebauten Quattrovalvole gehrten berdies zu einer "Interims"-Serie, die bereits ber neue, ausgestellte Seitenschweller verfgte und damit ein Merkmal der letzten Evolutionsstufe des Countach vorwegnahm.

Lamborghini Countach LP 500 S 25th anniversary '1988-90

1988 war es soweit. Anllich des 25. Geburtstages von Lamborghini war der alte Countach ein letztes Mal aufgehbscht worden. War er das wirklich? Ein neuer Frontspoiler, breite Seitenschweller, eine mchtige neue Stostange, ein Plastikteil um die Rckleuchten am Heck und genderte Lufthutzen auf den hinteren Kotflgeln fanden Platz am Countach. Alles zusammen wirkte, als htte sich ein mig begabter Tuner am Spitzenmodell der talienischeen Sportwagenfirma vergangen. Dieser scheinbar nicht sonderlich begabte Mensch war brigens Horacio Pagani, der seine eigenen Sportwagen spter nur perfekt gestylt auf die Strae lie. Sicherlich, das Styling entsprach dem Zeitgeist, aber schn war und ist wirklich anders. Nun ja, die Kunden schien es nicht zu stren. In den etwas mehr als zwei Jahren bis zur Einstellung der Produktion konnten sich 657 Kunden fr den zwischenzeitlich 17 bis 19 Jahren alten Countach-Entwurf begeistern. Firmen-Eigner Chrysler drfte zufrieden gewesen sein. Doch 1990 war nach 2046 gebauten Exemplaren endgltig Schluss. Der Countach war Lamborghinis Rettung in den schwierigen '70er- und '80er-Jahren gewesen und machte das Unternehmen gleichzeitig unsterblich. Was fr eine Ikone! Der Diablo trat ein mindestens so schweres Erbe an, wie 19 Jahre zuvor der Countach selbst.

Countach-Nachbauten und sonstige Countach

Die auergewhnliche und extreme Form des Countach hat natrlich schon vor der Einstellung der Produktion zu Nachbauten gefhrt. Es drfte mindestens ein Dutzend mehr oder weniger gelungene Repliken des Countach geben. Einer der aufwendigsten war vielleicht der Strohm De Rella, dessen Rahmen TV-geprft war und der dem Original dank der Motoren der Renault Alpine auch in der Hchstgeschwindigkeit nicht weit nachstand. In Deutschland gab es darber hinaus Kopien von den Firmen Scheib und Saier. Beide waren in den 80er Jahren bekannte Kit-Cars-Hersteller. Die Firma Scheib existierte sogar bis mindestens 2014. Auch private Projekte wie das von Otto Englisch und Alain Galluser gab es (Lorico Shara MT1). In den USA wurde sogar eine extrem gestretchte Version des Countach gebaut und ein Schwede baute seinen eigenen Monstertruck mit Karosserie des Countach.

Erwhnenswert ist noch ein besonders bedauerndswertes Exemplar des Countach 25th Anniversary: Das weie Exemplar mit der Chassis-Nr. ZA9CA05A6KLA12692 wurde im Film "Wolf of Wall Street" in einer Szene mit Leonardo di Caprio fr den Film gecrasht und anschlieend im zerstrten Zustand konserviert. Am 25. November 2023 soll das Original-Filmauto vom Auktionshaus Bonhams fr satte 1,5 bis 2,0 Millionen Dollar versteigert werden ... Ein fahrbereites Exemplar ohne den Hinternabdruck von Leo auf dem Fahrersitz war zur gleichen Zeit nur etwa 500.000,- Dollar wert.


Stckzahlen

158 Lamborghini Countach LP 400 '1974-78
238 Lamborghini Countach LP 400 S '1978-82
321 Lamborghini Countach LP 500 S '1982-85
632 Lamborghini Countach LP 500 S QV '1985-88
40 Lamborghini Countach LP 500 S QV "Interim" '1988-89
657 Lamborghini Countach LP 500 S QV "25th anniversary" '1989-90
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2046 Lamborghini Countach insgesamt


Lamborghini Countach LP 400 No.1 '1973

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Lamborghini Countach LP 400 '1974

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Lamborghini Countach LP 500 "Wolf" (1120202) '1975

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Lamborghini Countach LP 500 "Wolf" (1121210) '1978

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Lamborghini Countach LP 400 S '1978

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Lamborghini Countach LP 500 S '1982

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Lamborghini Countach LP 500 Turbo S '1984

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Lamborghini Countach LP 500 S Quattrovalvole '1985

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Lamborghini Countach LP 500 S Quattrovalvole '1988

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Lamborghini Countach LP 500 S Quattrovalvole "25th anniversary" '1989

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