Duesenberg


1920 - 1937

 

Duesenberg 1920 - 1937 USA
Markenzeichen   Flagge


Die frühen Jahre

Nicht wenige Menschen denken bis heute, dass 'Duesenberg' eine deutsche Automarke war. Dies ist natürlich falsch, aber die Geschichte von Duesenberg ist immerhin die von zwei deutschen Einwanderern in die USA: Es handelte sich um Friedrich Samuel (*06.12.1876 - 26.07.1932) und August Samuel Duesenberg (*12.12.1879 - 1955), die zusammen mit ihrer Mutter Louise Düsenberg und vier weiteren Geschwistern 1885 aus Deutschland, genauer aus Matorf-Kirchheide, einem Ortsteil von Lemgo, in die USA auswanderten. Der Vater der Familie war bereits 1881 verstorben. In Amerika nannten sich die Familienmitglieder schnell Duesenberg, aus Friedrich wurde 'Frederick' bzw. 'Fred' und aus August 'Augie'. Die Familie ließ sich zunächst in Rockford / Iowa nieder, wo Fred bald Fahrräder baute und verkaufte. Anfang des 20. Jahrhunderts folgten schnell erste Versuche mit Automobilien, wobei Fred und Augie vor allem an Rennwagen interessiert waren. Gearbeitet wurde dabei in einer kleinen Werkstatt, wo Sie die Fahrzeuge vorbereiteten. Unter den Kunden war auch der ortsansässige Anwalt Edward R. Mason bzw. dessen Mason Motor Car Company. 1908 ging die Mason Company in den Besitz von Frederick Louis Maytag über, der den Betrieb nach Waterloo / Iowa verlegte, aber bald jegliches Interesse an Automobilen verlor. 1911 verlegte er seinen geschäftlichen Aktivitäten vom Automobilbau auf den Waschmaschinenbau. Fred und Augie machten sich daraufhin mit der Duesenberg Motor Company selbstständig und bezogen 1913 eine neue Werkstatt in St. Paul / Minnesota. Hier konstruierten die Brüder Hochleistungsrennmotoren. Der schnell weithin bekannte 'Duesenberg-Vier-Zylinder-Rennmotor mit horizontalen Ventilen war 1916 das kräftigste Triebwerk, das andere Automobilhersteller ohne eigene Motorfabrikation für ihre Erzeugnisse erwerben konnten. Hiernach wurde dann ein 8-Zylinder-Rennmotor entwickelt, der ebenfalls noch große Rennerfolge einfahren sollte (siehe unten). In diversen Rennwagen, unter anderem bei mehreren Startern der berühmten 500-Meilen von Indianapolis, fanden sich zu dieser Zeit Duesenberg-Motoren. Doch die Brüder planten Größeres und verkauften ihre Unternehmung. Man wollte in die Serienproduktion von Automobilen einsteigen.


Der Start als eigener Hersteller

1917 gingen Fred und Augie Duesenberg zunächst eine neue Zusammenarbeit mit den Loew-Victor-Motorenwerken ein, die zur Produktion von Motoren für Kriegsmaschinen, unter anderen für Flugzeuge und Boote, in Elizabeth / New Jersey führte. Doch nach dem Ende des Krieges versiegte diese Einnahmequelle. Die Liason mit Loew-Victor endete abrupt und Fred und Augie gründeten mit finanzieller Unterstützung von Newton E. van Zant sowie Luther M. Rankin die Duesenberg Automobile & Motors Company. Insbesondere Fred widmete sich nunmehr intensiv der Entwicklung des Duesenberg Model A. Der innovative, aber auch sehr teure Wagen wurde denn auch bereits im November 1920 vorgestellt, doch die Serienproduktion startete erst 1921, unter anderem weil ein letzter Umzug nach Indianapolis / Indiana vollzogen wurde. Die Verzögerungen und Freds pedantische Arbeitsweise, bei der er ständig neue Verbesserungen in die Serie einfließen lassen wollte, führten schließlich schnurstracks in finanzielle Schwierigkeiten und 1924 dann in die Insolvenz der Duesenberg Automobile & Motors Company. Es dauerte einige Monate bis 1925 endlich die neue Duesenberg Motors Company gegründet war und Fred sich mit der Entwicklung eines Nachfolgers des Model A, des Model X beschäftigen konnte. Das Model A war jedoch weder in finanzieller noch in quantitativer Hinsicht ein Erfolgsmodell gewesen. 1926 übernahm daher der umtriebige E. L. Cord das angeschlagene Unternehmen und gliederte dieses als Prestige- bzw. Premiummarke in seinen Autokonzern ein.


Das sensationelle Model J

Vom Model X wurden nur ca. ein Dutzend Exemplare gebaut. Cord, der Fred Duesenbergs Talent vermutlich schon von Anfang an im Blick hatte, zog den genialen Konstrukteur schnell von allen anderen Aufgaben ab und ließ ihn über ein Jahr lang einen neuen Luxuswagen entwickeln. Fred enttäuschte den Konzernlenker denn auch nicht: Der Duesenberg J wurde das vermutlich am sorgfältigsten konstruierte Automobil der USA und war darüber hinaus absolut vergleichbar mit den besten Konkurrenzerzeugnissen aus Europa, wie dem Maybach Zeppelin, dem Hispano-Suiza J12, dem Mercedes SS und dem Rolls-Royce Phantom II. Der nicht nur hinreißend schöne Motor des Duesenberg J beispielsweise lief nicht nur schwingungsarm, sondern leistete vor allem etwa 265 SAE-PS. Damit sollten alle Duesenberg J, unabhängig von Gewicht und Aufbau eine Höchstgeschwindigkeit von über 160 km/h erreichen können. Das Chassis war nicht nur in vielen Details überdimensioniert, sondern verfügte auch schon über eine Zentralschmierung. Die Karosserien schließlich gehörten ohne Frage zu den schönsten, die überhaupt jemals für Automobile geschaffen wurden. Der ab 1932 lieferbare Duesenberg SJ schließlich verfügte sogar über einen selbst entwickelten Kompressor, der dem Motor zu einer Höchstleistung von sagenhaften 320 SAE-PS verhalf. Die ganze Erfahrung von Fred Duesenberg im Rennmotorenbau schlug sich hier im stärksten Serien-Triebwerk der 30er Jahre! Die größte Leistung von Fred Duesenberg aber war vielleicht die Tatsache, dass Chassis und Motor des Duesenberg J / Duesenberg SJ nicht nur sportliche Aufbauten zuließen, sondern auch für elegante Luxusautomobile wie natürlich geeignet waren.


Duesenberg und der Rennsport

Fred Duesenbergs Erfolgsgeschichte wäre aber nicht vollständig ohne Erwähnung seiner Rennerfolge: Wie oben angesprochen, waren die 4- und 8-Zylinder-Rennmotoren der Firma zuverlässig und stark. Fred und Augie Duesenberg hatten neben ihrer Tätigkeit für die Duesenberg Automobile & Motors Company ein eigenes Unternehmen gegründet, welches sich ausschließlich mit der Herstellung von Rennwagen und Rennmotoren beschäftigte: Die Firma 'Duesenberg Brothers' aus Indianapolis. Diese Gesellschaft war ob der Erfolge ihrer Rennwagen und der rechtlichen Unabhängigkeit auch nicht in den Insolvenzstrudel der Duesenberg Automobile & Motors Company geraten. 1914 geriet der Name 'Duesenberg' zum ersten Mal nicht nur als Motoren-, sondern auch als Automobilhersteller in den Focus, als ein Duesenberg-Rennwagen mit Eddie Rickenbacher am Steuer den zehnten Platz beim 500-Meilen-Rennen in Indianapolis belegte. Im gleichen Jahr baute Fred Duesenberg für den Commodore James A. Pugh zwei 12-Zylinder-Motoren für ein Rennboot. Die zwei mit je ca. 50 Liter (!) Hubraum versehenen Maschinen brachten dem Skipper die amerikanische Rennboot-Meisterschaft und eine Rekordgeschwindigkeit von 97 Km/h auf dem Wasser ein. 1917 hieß es in einer Werbeanzeige, dass "mehr als 60 % der Fahrzeuge auf Rennstrecken von Duesenberg-Motoren angetrieben wurden." Es dauerte jedoch noch bis 1922, dass man endlich den wichtigsten Titel im amerikanischen Rennsport, nämlich einen Sieg bei den 500-Meilen von Indianapolis, erringen konnte. Ein Jahr zuvor hatte man immerhin schon mit einem Sieg beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans auf sich aufmerksam gemacht. Insbesondere aufgrund der hydraulischen Bremsen, aber auch in Bezug auf Beschleunigung und Fahreigenschaften war Jimmy Murphy, der Fahrer des siegreichen Duesenberg, seinem stärksten Gegner, Ralph de Palma auf einem Ballot weit überlegen und siegte mit 14 Minuten Vorsprung. 1922 siegte dann zwar endlich ein Duesenberg in Indianapolis, allerdings startete der Wagen als "Murphy Special" mit einem Triebwerk von Miller. Im Grunde handelte es sich allerdings um den Siegerwagen des Grand Prix von Frankreich, den man Murphy überlassen hatte. Er dankte dem Team dies allerdings damit, dass er sein eigenes Team gründete.

1924 war es dann endlich soweit. In jenem Jahr waren nur 2-Liter-Motoren zugelassen und Fred hatte einen neuen Reihen-Achtzylinder konstruiert, der von einem Kompressor eigener Entwicklung mit zusätzlicher Luft versorgt wurde. Der Sieg von Lora L. Corum gegen starke Gegnerschaft mit Miller-Motoren wurde sogar mit einem neuen Rundenrekord errungen und entschädigte für die vielen nicht siegreichen Rennen in Indianapolis zuvor. Im Jahr darauf wurde der Triumph wiederholt. Am Steuer saß dieses Mal Pete de Paolo, Neffe von Ralph de Palma. 1927 schließlich gelang George Souders der dritte Sieg auf einem Duesenberg bei den 500-Meilen von Indianapolis. Es war dies allerdings der letzte Sieg eines Duesenberg an dieser Stelle. Anfang der 30er Jahre wurden die Rennaktivitäten endgültig eingestellt.

Ein Mal ging der Name Duesenberg jedoch noch im Zusammhang mit Rennen und Rekorden durch die Zeitungen des Landes: 1935, drei Jahre nach Freds Tod hatte David Abbot "Ab" Jenkins sich auf Basis eines Duesenberg SJ ein Rekordfahrzeug mit sensationeller Karosserie von J. Herbert Newport und extra starkem Motor zusammenbauen lassen. Augie Duesenberg war an dem Projekt maßgeblich beteiligt gewesen. Mit diesem Fahrzeug legte Jenkins auf dem Bonneville Salzsee in 24 Stunden 5248 Kilometer zurück und verbesserte den Ein-Stundenschnitt auf 245 km/h. Die Leistung dieses Wagens wurde nach Messungen auf dem Duesenberg-Leistungsstand auf ca. 390 bis 400 PS nach SAE-Norm geschätzt. Nur ein Jahr später wurde das Chassis des Wagens mit einem 12-Zylinder Curtiss Conqueror-Flugzeugtriebwerk ausgestattet, erhielt den Zusatz "Mormon Meteor" und brach erneut sämtliche Rekorde in den Kategorien von 50 Meilen bis 48 Stunden.


Das Ende ... und diverse Neuanfänge

Die große Depression nach dem Börsencrash von 1929 läutete auch für Duesenberg das Ende ein. Zwar blieben die Verkäufe zunächst noch stabil, aber spätestens nach Fred Duesenbergs Tod im Jahr 1932 ging es stetig und unaufhaltsam bergab. Fred hatte 1907 einen Unfall bei einem Rennen gehabt, der ihn zeitlebends behinderte. Hinzu kam eine schlimmer werdende Arthritis, die ihn unter anderem beim Autofahren beeinträchtigte. Am 02. Juli 1932 schließlich kam Fred Duesenberg am Steuer eines Duesenberg SJ mit Murphy-Aufbau auf dem Lincoln-Highway in Pennsylvenia von der Fahrbahn ab. Der Wagen überschlug sich und der Konstrukteur wurde schwer, aber nicht tödlich verletzt. Im Johnston Memorial Hospital stellten sich jedoch Komplikationen in Form einer beidseitigen Lungenentzündung ein. Durch diese ergaben sich Herzprobleme, die Fred Duesenberg schließlich ins Koma fallen ließen, aus dem er nicht mehr erwachte. 1937 schließlich wurde der vorerst letzte Duesenberg SJ (Motor-Nr. J-585) nach England verschifft und bei Gurney Nutting mit einer Speedster-Karosserie für einen Maharadscha bestückt. Die Duesenberg-Fabrik und das Land drumherum wurden an die Marmon-Herrington Company verkauft. Das Inventar und 17 gebrauchte Duesenberg gingen an die Feltz Motor Company in Chicago. Duesenberg war damit vorerst Geschichte ...

Natürlich gab es aber diverse Versuche eine solche Ikone wie Duesenberg wiederzubeleben. Der erste, allerdings im Ankündigungsstadium stecken gebliebene Versuch stammte von Augie Duesenberg höchstselbst, der bereits 1947 eine Wiederbelebung von Duesenberg plante.

1964 gründete dann Fred Duesenberg Jr., der Sohn des genialen Konstrukteurs, zusammen mit einer Reihe von Geschäftsleuten die Duesenberg Corporation in Indianapolis. Es wurde tatsächlich ein Auto präsentiert, welches die klassischen Linien in die Nachkriegszeit transportieren sollte. Schöpfer des Wagens war Virgil Exner, dessen Design später nachhaltigen Einfluß auf diverse andere Automobilprojekte (z.B. Stutz) hatte. Indes war auch dieser Unternehmung kein Glück beschieden. Nach der Herstellung des Prototyps war das Geld schon wieder zu Ende, obwohl angeblich zehn Käufer Bestellungen für den Wagen abgegeben hatten. Der Prototyp wurde schließlich versteigert, um einige Rechnungen zu bezahlen.

Der nächste Versuch wurde in den 70er Jahren von Harlan und Kenneth Duesenberg, zwei Großneffen von Fred Duesenberg gestartet. Auch hier wurde ein, allerdings gemeinhin als wenig ansprechend angesehener Prototyp gebaut. Es handelte sich aber nur um einen äußerlich überarbeiteten und speziell ausgestatteten Cadillac Fleetwood 60 Special, von dem glücklicherweise aber nur das eine Exemplar gebaut wurde.

Der nächste Versuch verfolgte von vornherein einen völlig anderen Ansatz. Die Duesenberg Corporation, in der erstmals kein Duesenberg-Spross aus der Einwandererfamilie seine Finger im Spiel hatte, stellte eine Replika des SSJ Speedsters von Gary Cooper auf das Chassis eines Dodge Lastkraftwagen. Über den Erfolg ist allerdings wenig bekannt.

Achtungserfolge konnte hingegen die Elite Heritage Motors Corporation mit Ihren Repliken des Duesenberg Weymann Speedster ('Duesenberg II Speedster'), des Derham Tourster ('Royalton') und einer Eigenentwicklung ('Torpedo Roadster') verbuchen. Die Chassis waren selbst entwickelt, die Technik kam von zeitgenössischen Fahrzeugen der Marke Lincoln. Es dürften einige Dutzend der sehr teuren (ca. 100.000,- $) Fahrzeuge gebaut worden sein.

Allen Versuchen gemein war aber letztlich die grundsätzliche Erfolglosigkeit. Duesenberg dürfte damit - was den Automobilbau angeht - wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Allerdings ist der Ausdruck "It's a duesy!" in der amerikanischen Umgangssprache noch immer ein Ausdruck für etwas besonders Extravagantes.


 

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